Das Sprint-Jahr 2007 im Rückspiegel
Montag, 31. Dezember 2007 16:55
Till Helmke ist ein Mann der klaren Worte. „Es war eine gute Saison“, sagt der Sprinter vom TSV Friedberg-Fauerbach rückblickend. „Das kann ich sagen, weil ein sehr schwieriges Jahr 2007 hinter mir liegt.“ Damit meint der 23-Jährige eine hartnäckige Sitzbeinverletzung, die ihn zwang, „bis Mitte März nur unspezifisch zu trainieren“ und die Hallensaison abzusagen.
Gerade deshalb wurde er selbst von seiner Leistungsexplosion Ende Juli überrascht. Mit 20,37 Sekunden verbesserte Helmke in Wetzlar über 200 Meter nicht nur seinen eigenen Hessen-Rekord um eine Zehntelsekunde, sondern sprintete auch die schnellste Zeit eines Deutschen im Jahr 2007. Gleichzeitig bedeutet die Wetzlar-Zeit Rang vier in der ewigen deutschen Bestenliste und Rang 34 in der Weltjahresbestenliste. Auf Rang 33, mit 20,35 Sekunden, rangiert übrigens ein gewisser Jeremy Wariner.
Zwar knackte Helmke damit auch die Norm für die WM in Osaka – trotzdem blieb ihm ein Start verwehrt. „Die 20,37 Sekunden waren natürlich klasse, und ich habe schon im Training gespürt, wie gut ich in Form war. Ein solches Niveau hatte in meiner Karriere zuvor noch nie erreicht. Aber leider war ich zur falschen Zeit und am falschen Ort schnell“, resümiert der BWL-Student. Eine Woche zuvor: Beim „Badewannen-Rennen“ in Erfurt blieb ihm in 21,06 Sekunden nur DM-Bronze. Zwei Wochen danach: Die DLV-Gala in Wattenscheid beendete er mit 20,80 Sekunden auf Rang acht – und fünf deutsche Sprinter lagen vor ihm. Der Einzelstart bei der WM war vertan.
Was Helmke im Ziel noch nicht wissen konnte: Auch ein Staffelstart kam in Japan nicht mehr infrage. „Man sagte mir, dass ich bei der DLV-Gala beim Wechsel sechs Hundertstel zu früh losgelaufen und nur noch WM-Ersatz sei. Dieses Urteil hat mich ziemlich mitgenommen, zumal man den Ablauf ja nicht auf die Tausendstel genau treffen kann.“ Helmkes Unmut war verständlich: Schließlich gehörte er beim besten deutschen Staffel-Auftritt 2007 (Rang drei beim Europacup in 38,56 Sekunden) und beim dritten Rang in Zürich zum „DLV-Vierer“.
Trotz der Zuschauerrolle in Japan und der Nicht-Berücksichtigung für den DLV-Staffelpool schaut der Sprinter optimistisch in die Olympia-Saison. „Ich habe meine Verletzungssorgen überwunden und will 2008 in der Halle meine Schnelligkeit auch mal wieder über 60 Meter beweisen.“ Aber natürlich ist der „Budenzauber“ für Helmke nur eine Durchgangsstation Richtung Peking. Dafür muss er über 200 bis zur DM Anfang Juli in Nürnberg einmal 20,45 und einmal 20,50 Sekunden laufen. „Das ist eine hohe Vorgabe. Aber ich will mein Niveau von 2007 stabilisieren und nach Athen 2004 auch in Peking starten.“ Klare Worte.
Thema: News | Kommentare (0) | Autor: mbn