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So lief das rasante Sprint-Jahr 2008

Samstag, 13. Dezember 2008 16:10

Wenn jemand Till Helmke vor den Olympischen Spielen gesagt hätte, dass er als bestplatzierter hessischer Leichtathlet aus Peking heimkehren wird, hätte er ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Doch genau so kam es. Mit der DLV-Staffel lief der Sprinter vom TSV Friedberg-Fauerbach auf einen beachtlichen fünften Platz. Vor vier Jahren in Athen hatte der 24-Jährige noch um Haaresbreite den Finaleinzug verpasst.

Trotzdem hätte der BWL-Student gern auf diese Ehre verzichtet. „Ich habe mir gewünscht, dass Ariane Friedrich eine Medaille holt. Aber leider sollte es nicht sein“, sagt Helmke. Auch Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler verpasste den Sprung aufs Treppchen als Neunte.

Im Gegensatz zur Frankfurterin durfte der Sprinter mit seinem Olympia-Abschneiden vollauf zufrieden sein. 38,58 Sekunden wurden für die deutsche Staffel im Finale gestoppt. Keine Superzeit, aber schließlich hatten sich schon favorisierte Quartetts wie die USA und Großbritannien im Vorlauf nach Wechselfehlern um die Medaillen gebracht. „Unser Ziel war es, sicher ins Finale zu kommen. Das haben wir trotz der mäßigen 38,93 Sekunden im Vorlauf geschafft. Da war der fünfte Rang nur noch Zugabe“, stellt der 200-Meter-Spezialist klar.

Im Finale vor 90.000 Zuschauern („eine einmalige Atmosphäre“) lieferte Helmke dann das Rennen der Saison ab. In keinem Staffelwettbewerb des Jahres war er schneller unterwegs als im wichtigsten Lauf 2008. „Die Auswertung hat gezeigt, dass ich auf den Punkt topfit war. Das ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn man sagen kann: Ja, wir haben richtig gearbeitet.“ Noch deutlich schneller als in Peking war die DLV-Staffel beim Europacup am 21. Juni in Annecy. Beim überraschenden Sieg wurden 38,30 Sekunden gestoppt, nur eine Hundertstel fehlte zum 25 Jahre alten Deutschen Rekord. Nachträglich wurde der deutsche „Vierer“ jedoch disqualifiziert, weil Alexander Kosenkow auf die Linie getreten war.

Doch schon allein das Ergebnis zeigt, wie groß das Potenzial der DLV-Sprinter für die kommenden Jahre ist – und das nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite. Etwa zehn Sportler kommen für einen Staffelplatz bei der WM 2009 in Berlin infrage. Obwohl Helmke sich mit konstant schnellen Zeiten und sicheren Wechseln einen Stammplatz in der Nationalmannschaft erkämpft hat, muss er sich kommendes Jahr erneut der Konkurrenz stellen. Angst davor hat er nicht: „2009 muss man wieder 20,59 Sekunden für einen Einzelstart über 200 Meter bringen. Das ist neben der Staffel mein klares Ziel.“ Wenn es mit den 200 Metern klappen sollte, wird Helmke in Berlin aber wohl nicht erneut bester Hesse werden. Ein Umstand, mit dem er bestens leben kann.

Thema: News | Kommentare (0) | Autor: mbn

Das Sprint-Jahr 2007 im Rückspiegel

Montag, 31. Dezember 2007 16:55

Till Helmke ist ein Mann der klaren Worte. „Es war eine gute Saison“, sagt der Sprinter vom TSV Friedberg-Fauerbach rückblickend. „Das kann ich sagen, weil ein sehr schwieriges Jahr 2007 hinter mir liegt.“ Damit meint der 23-Jährige eine hartnäckige Sitzbeinverletzung, die ihn zwang, „bis Mitte März nur unspezifisch zu trainieren“ und die Hallensaison abzusagen.

Gerade deshalb wurde er selbst von seiner Leistungsexplosion Ende Juli überrascht. Mit 20,37 Sekunden verbesserte Helmke in Wetzlar über 200 Meter nicht nur seinen eigenen Hessen-Rekord um eine Zehntelsekunde, sondern sprintete auch die schnellste Zeit eines Deutschen im Jahr 2007. Gleichzeitig bedeutet die Wetzlar-Zeit Rang vier in der ewigen deutschen Bestenliste und Rang 34 in der Weltjahresbestenliste. Auf Rang 33, mit 20,35 Sekunden, rangiert übrigens ein gewisser Jeremy Wariner.

Zwar knackte Helmke damit auch die Norm für die WM in Osaka – trotzdem blieb ihm ein Start verwehrt. „Die 20,37 Sekunden waren natürlich klasse, und ich habe schon im Training gespürt, wie gut ich in Form war. Ein solches Niveau hatte in meiner Karriere zuvor noch nie erreicht. Aber leider war ich zur falschen Zeit und am falschen Ort schnell“, resümiert der BWL-Student. Eine Woche zuvor: Beim „Badewannen-Rennen“ in Erfurt blieb ihm in 21,06 Sekunden nur DM-Bronze. Zwei Wochen danach: Die DLV-Gala in Wattenscheid beendete er mit 20,80 Sekunden auf Rang acht – und fünf deutsche Sprinter lagen vor ihm. Der Einzelstart bei der WM war vertan.

Was Helmke im Ziel noch nicht wissen konnte: Auch ein Staffelstart kam in Japan nicht mehr infrage. „Man sagte mir, dass ich bei der DLV-Gala beim Wechsel sechs Hundertstel zu früh losgelaufen und nur noch WM-Ersatz sei. Dieses Urteil hat mich ziemlich mitgenommen, zumal man den Ablauf ja nicht auf die Tausendstel genau treffen kann.“ Helmkes Unmut war verständlich: Schließlich gehörte er beim besten deutschen Staffel-Auftritt 2007 (Rang drei beim Europacup in 38,56 Sekunden) und beim dritten Rang in Zürich zum „DLV-Vierer“.

Trotz der Zuschauerrolle in Japan und der Nicht-Berücksichtigung für den DLV-Staffelpool schaut der Sprinter optimistisch in die Olympia-Saison. „Ich habe meine Verletzungssorgen überwunden und will 2008 in der Halle meine Schnelligkeit auch mal wieder über 60 Meter beweisen.“ Aber natürlich ist der „Budenzauber“ für Helmke nur eine Durchgangsstation Richtung Peking. Dafür muss er über 200 bis zur DM Anfang Juli in Nürnberg einmal 20,45 und einmal 20,50 Sekunden laufen. „Das ist eine hohe Vorgabe. Aber ich will mein Niveau von 2007 stabilisieren und nach Athen 2004 auch in Peking starten.“ Klare Worte.

Thema: News | Kommentare (0) | Autor: mbn